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20.05.2014, 13:03 Uhr
"Boomtown" profitiert von Autobahn
Neue Westfälische vom 20.05.2014

VON RALPH MEYER

Hövelhof. Die Sennegemeinde boomt, die Steuereinnahmen sprudeln seit Jahren auf Rekordniveau, und die Nachfrage nach neuen Gewerbe- und Wohnbauflächen hält ungebremst an. Doch da beginnen die Probleme für Hövelhof, denn die Sennegemeinde ist ausverkauft, und die Aufsichtsbe-hörden wollen keine zusätzlichen Flächen mehr genehmigen. 

Seit Anfang der 90er Jahre läuft es rund in der Senne. Auch die Eröffnung der Autobahn 33 mit zwei Abfahrten sorgte für weiteres Wachstum, und spätestens der "Sprung über den Hallerbach" und die Ausweisung der "Schierbusch"-Flächen brachten richtig Schwung in die Gewerbeentwick-lung. Etwa 50 Prozent der Betriebe arbeiten in der Metallbranche und als Zulieferer für die Autoindustrie. Auch holzverarbeitende betriebe, Dienstleister und Lebensmittelhersteller sind vertreten. 

 "Wir haben alles vermarktet, was vorhanden war", berichtet Bürgermeister Michael Berens. Allein das Unternehmen Heroal kaufte 60.000 Quadratmeter Flächen von der Gemeinde. Doch inzwischen spielt das Land nicht mehr mit. "Die Ablehnung der Schierbusch-Erweiterung war der Super-GAU", weiß Berens und ist enttäuscht vom Entwurf des Landesentwicklungsplans. Die Zukunft für die Gemeinde dürfte daher in einem interkommunalen Gewerbegebiet liegen. Infrage kommen neben Schloß Holte-Stukenbrock auch noch die Nachbarn Delbrück und Paderborn.

Im Jahr 2012 spülte der gute Branchenmix der Sennegemeinde rund 10,6 Millionen Euro in die Gemeindekasse, was dem Kämmerer sogar einen Jahresüberschuss von 2,7 Millionen Euro be-scherte. Doch die Kehrseite der Medaille sind inzwischen fehlende Schlüsselzuweisungen, und ab 2015 droht neues Ungemach durch die Solidarumlage des Kämmerers. 

"Die Sennegemeinde könnte ihre Einnahmen selbst generieren", berichtet Bürgermeister Michael Berens, "und wir haben die höchste Steuerkraft pro Kopf im Kreis Paderborn".

Hand in Hand mit den Einnahmen geht in Hövelhof auch der Schuldenabbau. Waren es 2000 noch 9,5 Millionen an Verbindlichkeiten, sollen es zum Jahresende nur noch 3,2 Millionen sein. Bis 2020 will die Gemeinde schuldenfrei sein. Gespart wird auch im internen Bereich: Die Zuschüsse für das Hallenbad wurden auf 250.000 Euro gedeckelt, und es wurden ein Hausmeisterpool und ein zen-trales Gebäudemanagement eingerichtet. Eine weitere Erfolgsgeschichte in der Gemeinde ist die Tourismusentwicklung, die vor allem durch dem Ems-Radweg geprägt wird. Nach zehn Jahren rangiert der Fünf-Sterne-Weg auf Platz acht der beliebtesten Fernradwege. Auch die Kooperation mit Borkum hat sich gut entwickelt. Ein Untersuchung der Sparkasse ergab, dass der Tourismus jährlich rund fünf Millionen Euro in die Kommune bringt.

Im Bildungsbereich verfügt die Gemeinde über neun Kindergärten und -tagesstätten. Neben fünf kommunalen Einrichtungen gibt es noch drei kirchliche Kindergärten und einen Waldkindergarten.

Im Grundschulbereich gibt es die dreizügige Mühlenschule (mit dem Standort Furlbachschule) und die vierzügige Kirchschule. Im Sekundarbereich leisten Haupt- und Realschule hervorragende   Arbeit. Vor allem der Übergang in weiterführende Schulen oder in die Berufswelt funktioniert, so der Bürgermeister. Gleichwohl hat die Gemeinde auch ein Auge auf das veränderte Elternwahlver-halten und will künftig auch über andere Schulformen informieren und die Eltern befragen. Ferner wurde Hövelhof als familienfreundliche Kommune zertifizier.

Beim Straßennetz hat sich in den vergangenen Jahren ein leichter Investitionsstau entwickelt, der rund 2,6 Millionen Euro bei Wirtschaftswegen und rund 740.000 Euro bei Brücken beträgt. Straßen in Wohngebieten werden nur ausgebaut, wenn es die Bürger wollen. "Zwangbeglückungen wollen wir nicht", erklärt der Verwaltungschef. 

Für die Zukunft will Berens neue Baugebiete im Kernort und den Ortsteilen ausweisen. Ein großes Thema wird auch der Hochwasserschutz sein. 2015 sollen zwei große Rückhaltebecken am Kroll-bach und in der Moosheide entstehen. Da die Gemeinde im Überschwemmungsgebiet liegt, besteht dringender Handlungsbedarf. Von den Gesamtkosten in Höhe von knapp sechs Millionen Euro muss die Gemeinde zehn Prozent selbst tragen.

Bei der Umsetzung des Ortskernkonzeptes geht es mit der Straße Zur Post los, im Frühjahr 2015 folgt dann die Einkaufsstraße. Spätestens 2018 soll der Ortskern deutlich angehübscht sein. Eben-falls geplant sind ein Spielplatzkonzept und der weitere Ausbau der Kindergartenlandschaft.

Zwei Dinge liegen Bürgermeister Michael Berens ganz besonders am Herzen. Da ist einmal der Neubau der Hövelsenner Kapelle, bei der Anfang Mai die Erdarbeiten begonnen haben, und der Ersatzbau der eigenmächtig abgerissenen Emsbrücke an der Junkernallee.